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Biomechanische Okklusion bei CMD II

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Entwicklung und Wandel der Okklusionskonzepte

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Einführung

Die Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD) ist eine häufig auftretende Erkrankung des stomatognathen Systems. Nach einer aktuellen Schätzung leiden etwa 3 Millionen Deutsche unter den Folgen einer CMD. Die lokalen Auswirkungen und der Einfluss auf den gesamten Organismus sind ebenso wie die Gründe der Funktionsstörung zahlreich und komplex.
Bei der Eingliederung von Zahnersatz (ZE) ist es wichtig, auf dessen optimale Integration zu achten, um dem Auftreten einer CMD vorzubeugen. Hierzu wurden unlängst Parameter erarbeitet, die eine störungsfreie Eingliederung ermöglichen sollen.
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Problem der Dynamik

Kauflächen, die nach rein statischen Aufwachskonzepten, z. B. denen nach Lundeen und Thomas, hergestellt werden, weisen in der Dynamik der Unterkieferbewegungen Störkontakte auf, die sich immer wieder an der gleichen Stelle des Kaufreliefs befinden (Polz 2013).

Die Kauflächengestaltung nach Payne & Lundeen oder Thomas ist den natürlichen Kauflächen nur bedingt ähnlich (Polz 2013).
Polz erkannte immer wiederkehrende morphologische Muster in den Kauflächen, die er mit den Unterkieferbewegungen in Zusammenhang brachte. Diese Erkenntnisse führten zur Entschlüsselung der Biomechanik der Kauflächen.

Prinzipien der biomechanischen Okklusion

Die dynamische Okklusion

Die Prinzipien der biomechanischen Okklusion stellen den Bezug der Unterkieferbewegungen zur natürlichen Morphologie der Kaufläche her.
Die morphologische Ausrichtung der Höcker zueinander ist perfekt auf das craniomandibuläre System ausgerichtet. D. h. demnach Zahnersatz muss, wenn er nicht nur statisch, sondern auch dynamisch funktionieren soll, eine natürliche Morphologie aufweisen.

Der okklusale Kompass (nach Polz)

  • veranschaulicht, wie ein Zahn konstruiert sein muss, um sich in das craniomandibuläre System einfügen zu können.
  • beschreibt und skizziert die Richtung der Unterkieferbewegungen im okklusalen Relief (ähnlich dem Pfeilwinkelregistrat am Patienten).
#pic#

Die Bewegungen des Unterkiefers lassen sich durch eine Farbcodierung und der linearen Hauptrichtung definieren. Aus der zentrischen Position heraus werden jeweils die exkursiven Bewegungen bis zur geführten Endposition vollzogen.
Die Darstellung des okklusalen Kompasses ist vom Ober- zum Unterkiefer genau gegenläufig auf den Kauflächen erkennbar.
  • Man erkennt die links- und rechtslaterale Bewegung (Latero- und Mediotrusion). Dazwischen befinden sich mehrere intermediäre Bewegungen, bei denen es sich um die Protrusion und Latero-Protrusion handelt.
  • Der Immediate sideshift und die re-surtrusive Laterotrusion sind als Grenzbewegungen mit aufgeführt.
  • In den Bereichen der größten Kaubewegung befindet sich eine Fissur, die es dem antagonistischen Höcker ermöglicht, ohne Kontakt aus dem Gegenzahn zu gleiten.
  • Es treten so also keine Kippkräfte (Arbeits- oder Balancekontakte) auf, die das Kiefergelenk, die Kaumuskulatur oder das Parodontium schädigen könnten.
  • Ausnahme: die Latero-Protrusion - sie läuft immer auf einen Höckerabhang zu.

Farbcode

  1. Schwarz = Protrusion (Vorschubbewegung)
    • Beide Kondylen bewegen sich nach kaudoventral.
    • Die OK-1er übernehmen mit den UK-1ern und den mesialen Hälften der UK-2 er die Führung in der Front.
    • Öffnung in vertikaler Richtung mit Disklusion der Seitenzähne
    • Die Stampfhöcker der UK-Seitenzähne “verlassen“ ihre Antagonisten nach mesial, die Stampfhöcker der OK-Seitenzähne ihren Antagonisten dagegen nach distal.
  2. Blau = Laterotrusion (Arbeitsbewegung, Kauseite) und Grün = Mediotrusion (Balancebewegung, Nicht-Kauseite)
    • Der Arbeits- oder Laterotrusionskondylus bewegt sich nach lateral (Bennet-Bewegung).
    • Der Balance- oder Mediotrusionskondylus bewegt sich nach vorne, innen, d. h. zur Mitte hin, und unten hin.
    • Der Winkel, der dabei zur Protrusionsebene entsteht, ist der Bennet-Winkel.
    • Auf der Laterotrusionsseite übernehmen meist der obere und untere Eckzahn die Führung (Eckzahnführung), ggf. können auch die Prämolaren mitführen (= segmentale Führung), in manchen Fällen werden bewusst auch die Seitenzähne zur Führung (= Gruppenführung) herangezogen.
    • Auf Laterotrusionsseite verlassen die Stampfhöcker der UK-Seitenzähne die Antagonisten nach bukkal, die Stampfhöcker der OK-Seitenzähne die Antagonisten dagegen nach lingual.
    • Auf der Mediotrusionsseite verlassen die Stampfhöcker der UK-Molaren ihre Antagonisten nach mesiopalatinal, die Stampfhöcker der OK-Molaren ihre Antagonisten dagegen nach distobukkal.
    • Bei der Mediotrusionsseite kann es zu sog. Balancefacetten kommen.
  3. Rot = Re-surtrusive Laterotrusion
    • Grenzbewegung im okklusalen Kompass
    • Der Kondylus beschreibt hierbei eine simultane Bewegung nach lateral, nach hinten (re) und nach oben (sur). Er nimmt also Einfluss auf die Richtung des Bewegungsablaufs und der Disklusion der Seitenzähne.
    • Die Stampfhöcker der UK-Seitenzähne „verlassen“ ihre Antagonisten nach bukkal und leicht distal, die Stampfhöcker der OK-Seitenzähne ihre Antagonisten dagegen nach lingual und leicht mesial.
  4. Rot = Immediate side shift
    • vereint in sich alle definierten Sideshift-Arten, wie progressiv, early und distributed sideshift
    • Grenzbewegung im okklusalen Kompass
    • beeinflusst die Mediotrusionsseite
    • Zu beachten sind die ersten Millimeter des Kondylus aus der zentrischen Position diese sind relevant für die Okklusion im Molarenbereich.
    • Auf der Mediotrusionsseite mit Immediate sideshift verlassen die Stampfhöcker der UK-Molaren ihre Antagonisten nach palatinal und mesiopalatinal, die Stampfhöcker der OK-Molaren ihre Antagonisten dagegen bukkal und distobukkal.
  5. Gelb = Latero-Protrusion
    • Front-Eckzahnführung
    • Aufgrund des kleinen Winkels zwischen Protrusion und Mediotrusion wird im okklusalen Kompass auf die Darstellung der Medioprotrusion verzichtet.
    • Bei der Latero-Protrusion beträgt der Winkel zwischen Laterotrusion und Protrusion dagegen fast 90° in diesem großen Bereich befindet sich ein Höcker, der die Bewegung kompensieren muss.
    • Bei dieser Bewegung führt der Weg der Stampfhöcker direkt über die Höcker der Antagonisten.
    • Alle Bewegungen führen durch bzw. entlang der Fissuren, sofern die zentrale Fossa als zentrische Position vorliegt.
    • Auf der Latero-Protrusionsseite verlassen die Stampfhöcker der UK-Molaren ihre Antagonisten nach mesiobukkal, die Stampfhöcker der OK-Molaren ihre Antagonisten nach distolingual.

Die Eckzähne sind wesentlich für die Entlastung der Seitenzähne. Ihre langen, stabilen Wurzeln sind mit deutlich mehr Rezeptoren versehen als andere Zähn. Sie programmieren und regulieren die muskulär gesteuerten UK-Bewegungen während der Mastikation.



Quellen

  • Bauer A, Gutowski A (1984) Gnathologie - Einführung in Theorie und Praxis. Quintessenz Verlag, Berlin
  • Jordan RE, Abrams L, Kraus BS (1992) Kraus‘ dental anatomy and occlusion. Mosby Year Book, St. Louis, USA
  • Kornfeld M (1974) Mouth Rehabilitation. Vol.2. The C.V. Mosby Co, St.Louis, USA
  • Lotzmann U (1981) Die Prinzipien der Okklusion. Verlag Neuer Merkur GmbH, München
  • Polz M (2013) Zahnantomie, Zahnfunktion und biomechanische Okklusion. Quintessenz Zahntech 5:592-604
  • Schöttl W (1978) Das TMR-System. Quintessenz Verlag, Berlin
  • Stuart CE (1984) Die gnathologische Aufwachstechnik. Quintessenz-Verlag, Berlin
  • Thomas PK, Tateno G (1982) Die gnathologische Okklusion. Quintessenz Verlag, Berlin